Volkskrankheit Migräne: Medikation und Behandlung in heutiger Zeit

Volkskrankheit Migräne: Medikation und Behandlung in heutiger Zeit

Migräne ist eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen. In Deutschland sind knapp 40 Prozent der Erwachsenen sogar mehrmals im Monat von Kopfschmerzen betroffen. Welche Medikation häufig eingesetzt wird und wie Patienten den Verlauf der Migräne neuerdings via App dokumentieren können.

 

Kurz erklärt: Was versteht man unter Migräne?

Anfallsartige Kopfschmerzen, die in unregelmäßigen Abständen auftreten nennt man auch Migräne. Patienten beschreiben das Erscheinungsbild sehr unterschiedlich. Manche haben regelmäßig im Monat oder sogar täglich Migräne, andere wiederum nur alle paar Monate. Auch die Dauer der Migräne kann unter den Patienten stark variieren. In der Regel halten die anfallsartigen Kopfschmerzen minimal ein paar Stunden und maximal drei Tage. Das Erscheinungsbild ist meist eindeutig: pulsierende, pochende oder stechende Kopfschmerzen. Hinzu kommen zahlreiche weitere Symptome wie zum Beispiel Übelkeit oder auch Überempfindlichkeit gegenüber Licht und Gerüchen. Wenn Sehstörungen vorliegen spricht man auch von einer Migräne mit Aura. Die Sehstörungen, auch “Aura” genannt, gehen meist über 30 Minuten.

 

Erste Migräneattacken bereits ab der Pubertät

  • den Höhepunkt der Migräne erleben die meisten Menschen zwischen dem 30. und 40 Lebensjahr
  • die erste Migräneattacke trifft die meisten Frauen und Männer bereits in der Pubertät

Laut dem Informationsportal zur psychischen Gesundheit und Nervenerkrankungen gehört die Migräne zu den häufigsten neurologischen Erkrankungen, die Frauen mit rund 12 bis 14 % häufiger betrifft als Männer mit nur 6 bis 8 %. Festzuhalten ist auch, dass viele Frauen und Männer bereits ab der Pubertät ihre erste Migräneattacke ereilt, den Höhepunkt der Attacken machen viele jedoch erst deutlich später, nämlich während dem 30. und 40. Lebensjahr fest.

 

Art der Kopfschmerzen ist unterschiedlich

Wie bei vielen anderen neurologischen Erkrankungen ist auch das Erscheinungsbild der Migräne sehr divers. Viele Betroffene beschreiben den Kopfschmerz als pulsierend und pochend, andere wiederum fühlen eher stechende Schmerzen. In der Regel beginnen die Kopfschmerzen auf einer Seite und dehnen sich dann im Verlauf beidseitig aus.

Die häufigsten vegetativen Begleitsymptome:

  • Übelkeit
  • Appetitlosigkeit
  • Überempfindlichkeit gegen Licht- und Lärm-quellen.
  • eingeschränkte körperliche Beweglichkeit
  • nicht selten: Bedürfnis nach Bettruhe

 

Bei einer Migräne-Aura werden häufig andere Begleiterscheinungen beschrieben, die auch denen eines Schlaganfalls ähneln. Meist äußert sich die Migräne-Aura durch Sehstörungen (z.B. Lichtblitze, flimmernde Sicht) und ein Kribbeln im gesamten Körper. Lähmungserscheinungen, Sprachstörungen und Schwindel sind ebenfalls mögliche Begleiterscheinungen. Sie alle ähneln auch den Symptomen bei einem Schlaganfall. Bei Unsicherheiten sollte deswegen immer sofort ein Arzt zu Rate gezogen werden.

 

Migräne kündigt sich häufig durch weitere Symptome an

Viele Migränepatienten können bereits ein bis zwei Tage vorher Symptome feststellen, die auf die anstehende Migräne schließen lassen. So fühlen sich viele Betroffene leicht reizbar und müde. Manche können sich schlecht konzentrieren und entwickeln sogar depressive Verstimmungen. Recht häufig wirken sich die Vorboten der Migräne auch auf das Appetit Empfinden und Durstgefühl aus. Manche Betroffenen leiden sogar unter Verdauungsproblemen wie Verstopfung.

 

Langzeitbehandlung dank Migräne-App vereinfacht

Aufgrund der vielen unterschiedlichen Ausprägungen und Triggern der Migräne ist es oft ein längerer Weg bis Patienten und behandelnde Ärzte die Ursachen und möglichen Behandlungswege erörtern können. Relativ neu auf dem Markt und sicherlich hilfreich für technikaffine Menschen sind die sogenannten Migräne-Apps. Im Gegensatz zum schriftlich geführten Tagebuch können Migräne-Patienten schnell und unkompliziert die genauen Symptome und Daten eintragen. Durch den GdbK-Score wird eine eine prospektive Erfassung ermöglicht, die den Grad der Einschränkung bedingt durch die Kopfschmerzen ermittelt. Auch die entstehende Beeinträchtigung bei den alltäglichen Aufgaben kann eingetragen werden. Dadurch kann es bei der Schmerzmedikation durch den behandelnden Arzt leichter fallen über Fortschritte und mögliche Nachteile zu sprechen. Ein wichtiger Vorzug der Migräne-App ist auch, dass die unterschiedlichen Kopfschmerzmerkmale einfach und präzise eingetragen werden können. So entsteht in der Übersicht eine praktische Checkliste, die zu allen Sprechstunden mitgenommen werden kann.

 

Medikation bei Migräne: Almo-, Nara- oder Sumatriptan?

Um eine Migräne korrekt zu diagnostizieren und zu behandeln, gibt es Kriterien der International Headache Society 2004, die international verbindlich wirken 95% aller Migränepatienten können laut der DMKG auf Grundlage dieser Basis korrekt behandelt werden. In der Regel wird folgende Medikation eingesetzt:

  • Triptane (Migränemedikament)
  • Ergotamine  (Migränemedikament)
  • nicht steroidalen Antirheumatika (Schmerzmittel)
  • Paracetamol
  • Buscopan, Molevac oder andere Mittel gegen Übelkeit

Laut Dr. habil. Thomas Weiser, Sanofi-Aventis Deutschland GmbH sei es bei der Medikation wichtig zu unterscheiden zwischen Migräne und Spannungskopfschmerzen. Je nachdem richtet sich die Wahl des geeigneten Präparats. Bei akuten Migräneattacken sind Triptane für die beste Wirksamkeit bekannt, von denen es aktuell sieben verschiedene Versionen auf dem Markt erhältlich sind. Wenn der Körper auf Analgetika nicht anspricht, können Triptane eine sinnvolle Alternative sein.

 

Für viele Betroffene auch eine Option: die Phytotherapie

Nicht jeder Migräne-Patient ist zufrieden mit der klassischen Medikation. Die natürlichen Wirkstoffe der Pflanzen wie sie in der Phytotherapie vorkommen können für Patienten mit chronischen Beschwerden eine lohnenswerte Ergänzung oder sogar Alternative zu chemischen Mitteln sein. Ätherische Öle, Bitterstoffe und bestimmte Heilpflanzen wie das Mutterkraut können eine sinnvolle Methode sein die Beschwerden der Migräne zu lindern. Ob sie dem Einzelnen helfen, ist abhängig von der persönlichen Konstitution und der Behandlung und sollte am besten mit dem Hausarzt besprochen werden.

Quellen

https://www.drks.de/drks_web/navigate.do?navigationId=trial.HTML&TRIAL_ID=DRKS00022946

https://www.neurologen-und-psychiater-im-netz.org/neurologie/erkrankungen/migraene/was-ist-migraene/

https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/daz-az/2020/daz-40-2020/sinnvoll-kombiniert