Weil wir immer das Ganze betrachten – Das unterschätzte Zungenbein

Weil wir immer das Ganze betrachten – Das unterschätzte Zungenbein

Wenn wir ehrlich sind, fällt uns doch, es sei denn wir haben eine medizinische Ausbildung genossen, nicht wirklich viel zum Zungenbein ein. Der Eine oder Andere kennt es aus Krimis, weil es hier hin und wieder als Todesursache herhalten muss. Manch einem mag es dämmern, erinnert er sich an seinen Erste-Hilfe-Kurs zurück – stabile Seitenlage – Kopf überstrecken – Zungenbein – da war doch was?!

Genau, da war was, doch was genau macht das Zungenbein und wie wirkt sich seine Positionierung auf unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden aus? Im Rahmen der stabilen Seitenlage überstrecken wir den Kopf des Betroffenen und sorgen damit für eine freie Atmung, für optimalen Durchlauf durch alle Atemwege. Wer mag, kann dies gerne kurz an sich selbst testen und den Kopf möglichst weit nach vorne nehmen. Es ist wirklich erstaunlich, wie viel besser die Atmung funktioniert. Übrigens ein unscheinbarer Trick für Läufer und Sprinter, die durch das Vornehmen des Kopfes erreichen, dass sie besser atmen können und ihren, durch die Aktivität erhöhten, Sauerstoffbedarf optimal decken. Wesentlich schwerer fällt das Atmen, wenn der Kopf nach hinten gezogen wird.

Grundsätzlich können wir uns also durch ein Überstrecken des Kopfes eine bessere und leichtere Atmung verschaffen. Doch was ist mit den Menschen, die beispielsweise durch Übergewicht ihre Atemwege sehr belasten, die unter einer obstruktiven Schlafapnoe, also unter Atemaussetzern während des Schlafes leiden? Diese Menschen überstrecken ihren Kopf instinktiv, weil sie schon früh bemerkt haben, dass es sich besser atmen, luftholen und schlafen lässt in dieser Haltung.

Doch was gut ist für eine freie Atmung und eine gute Sauerstoffversorgung im Gehirn, kann andernorts Probleme bereiten. Ihr Körper nimmt Ihnen ihre Entscheidung oft ab – durch Rücklage des einen oder anderen Kiefers, die sich wiederum auf das Zungenbein oder den weichen Gaumen auswirkt, wird er vor die Wahl gestellt gut und frei atmen zu können oder Haltung anzunehmen. Scheinbar natürlich entscheidet der Körper sich für die freie Atmung und Sie halten instinktiv den Kopf überstreckt. Sicher ahnen Sie, was durch diese Fehlhaltung alles in Mitleidenschaft gezogen werden kann. Das dauerhafte Überstrecken führt neben Schmerzen im Hals- und Nackenbereich, Kopfschmerzen bis hin zu Migräne, auch zu Beschwerden im restlichen Knochenskelett. Im schlimmsten Fall lassen Sie sich komplett auf den Kopf stellen, werden sämtliche Körperregionen in den einzelnen Fachpraxen untersucht und keiner der konsultierten Behandler wird in „seinem“ Fachbereich eine Erklärung für Ihre Probleme finden.

Wir in der SeegartenKlinik sehen das Ganze, gehen interdisziplinär an Ihre Beschwerden heran und werden somit auch gemeinsam schnell zu dem Ergebnis kommen, dass Ihre Fehlhaltung Grund für Ihre Schmerzen und das Zungenbein, bzw. die Rücklage eines Ihrer Kiefer Grund für die Fehlhaltung ist.

Das Zungenbein, auch Hyoid genannt, ist ein kleiner hufeisenförmiger Knochen, dieser wird beim Atmen, Sprechen, Schlucken und Husten beansprucht und sorgt dafür, dass die Luftröhre geöffnet bleibt. Das Hyoid liegt unter der Zunge am Anfang des Halses und ist durch Muskeln und Bänder an der Schädelbasis fixiert. Einer dieser Muskeln ist der Kinn-Zungenbein-Muskel, der seinen Ursprung am Unterkiefer und seinen Ansatz am Zungenbein hat.

Unterkieferrücklage und die Atmung

Leiden Sie unter einer Unterkieferrücklage, liegt der Unterkiefer zu weit zurück und die Aufhängung des Zungenbeins ist eher schlaff. Das Hyoid hängt herunter und ist, weil ein korrekter Muskelzug nach vorne in Richtung Unterkiefer fehlt, zu weit zurückgelegt. Durch diese Rücklage des Hyoids ist die Luftröhre verengt. Siehe Abbildung. Das Zungenbein in Rücklage, die Luftröhre verengt, das Problem mit der Atmung ist vorprogrammiert.

Eine Fehlhaltung, die durch solch eine Rücklage bedingt ist, wird durch eine Vorlagerung des Zungenbeins erreicht, was mittels einer Rotationsbewegung realisiert wird. Durch die Rotation wird der mit dem Hyoid verbundene Muskel und somit auch zwangsläufig das Zungenbein nach vorne und nach oben verlagert, die Atemwege geöffnet und eine freie Atmung und sichere Sauerstoffversorgung des Gehirns gewährleistet.

Oberkieferrücklage und die Atmung

Ist der Oberkiefer in Rücklage, versperrt der weiche Gaumen die Atemwege. Die Nasenatmung wird behindert und Sie atmen ständig durch den Mund. Doch auch wenn Sie offensichtlich durch den Mund atmen, ziehen Sie Luft durch die Nase. Je stärker die Ausprägung der Rücklage, je dichter die Nase und wenn der Zustand erkältungsähnliche Ausmaße annimmt, Sie also das Gefühl bekommen, Ihre Nase sei nur noch zu und verstopft, dann stellt sich das Gefühl ein, nicht genug Sauerstoff zu bekommen. Durch die Oberkieferrücklage hat auch die Zunge automatisch weniger Raum und versperrt nach hinten